Natürliche Regulation durch den Wirkstoff Hirudin
Die Blutegel-Therapie zählt zu den ältesten Verfahren der Naturheilkunde und hat bis heute ihren festen Platz – insbesondere bei chronischen Schmerzen, Entzündungen und Durchblutungsstörungen. Was zunächst ungewöhnlich wirken mag, ist in Wirklichkeit ein gut steuerbares biologisches Regulationsverfahren, das dort ansetzt, wo der Körper aus eigener Kraft nicht mehr ausreichend regulieren kann.
In meiner Praxis setze ich Blutegel gezielt und verantwortungsvoll ein. Entscheidend für ihre Wirkung ist vor allem der natürliche Wirkstoff Hirudin, der wissenschaftlich gut untersucht ist und den therapeutischen Kern dieser Behandlung bildet.
Die Wirkung von Hirudin
Der therapeutische Effekt der Blutegel-Therapie beruht nicht auf dem Blutverlust, sondern auf den Wirkstoffen im Speichel des Blutegels – allen voran Hirudin. Dieser stark gerinnungshemmende Naturstoff wird während des Saugens direkt in das umliegende Gewebe abgegeben und wirkt ausschließlich lokal.
Genau diese örtlich begrenzte Wirkung macht die Behandlung gut steuerbar und vergleichsweise schonend. Hirudin verbessert die Durchblutung im behandelten Bereich, entlastet gestautes und entzündetes Gewebe, reduziert entzündliche Prozesse und kann Schmerzen deutlich lindern. Gleichzeitig werden körpereigene Heil- und Regulationsmechanismen aktiviert.
Viele Patientinnen und Patienten berichten bereits wenige Tage nach der Behandlung über eine spürbare Entlastung.
Die Nachblutung – kein Nebeneffekt, sondern Teil der Therapie
Ein zentraler Bestandteil der Blutegel-Therapie ist die gewollte Nachblutung nach dem Abfallen der Blutegel. Diese entsteht durch die Wirkung von Hirudin und ist ausdrücklich therapeutisch erwünscht.
Die Nachblutung kann mehrere Stunden, in manchen Fällen bis zu 24 Stunden oder etwas länger anhalten. In dieser Phase kommt es zu einer zusätzlichen Entlastung des behandelten Areals. Entzündliche Stoffwechselprodukte werden abtransportiert, das Gewebe wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und Druck- sowie Spannungszustände können deutlich nachlassen.
Gerade bei chronischen Entzündungen oder arthrotischen Veränderungen ist diese Entlastung häufig ein entscheidender Faktor für die Besserung.
Wann kann eine Blutegel-Therapie sinnvoll sein?
Die Blutegel-Therapie eignet sich besonders bei chronischen, entzündlichen und schmerzhaften Beschwerden, vor allem dann, wenn andere Behandlungsansätze nicht ausreichend oder nicht nachhaltig geholfen haben.
Häufige Einsatzgebiete sind Beschwerden des Bewegungsapparates wie Arthrose (z. B. Knie, Hüfte, Schulter oder Daumensattelgelenk), Gelenk- und Schleimbeutelentzündungen, Sehnenreizungen, Tennis- oder Golferellenbogen, ISG-Beschwerden sowie chronische Rückenschmerzen.
Auch bei Durchblutungsstörungen und Stauungen – etwa bei Krampfadern, venösen Stauungen, Hämatomen, Blutergüssen oder postoperativen Schwellungen – kann die durchblutungsfördernde Wirkung von Hirudin gezielt entlastend wirken.
Darüber hinaus wird die Blutegel-Therapie bei schmerzhaften oder verhärteten Narben, schlecht heilenden Arealen oder lokalen Entzündungsherden eingesetzt. Narben können den Flüssigkeits- und Energiefluss im Gewebe dauerhaft stören – hier kann die Behandlung regulierend unterstützen. Die Blutegel saugen sich selbstständig fest. Die Saugphase dauert in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten. In den meisten Fällen fallen die Blutegel von selbst ab, sobald sie ausreichend Blut aufgenommen haben. Sollte dies im Einzelfall nicht der Fall sein, entferne ich die Blutegel fachgerecht und schonend, sobald sie ausreichend gesättigt sind.
Wann darf keine Blutegel-Therapie durchgeführt werden?
So wirksam die Blutegel-Therapie ist, sie ist nicht für jede Person geeignet. Eine Behandlung erfolgt nicht bei Blutgerinnungsstörungen, bei der Einnahme starker Blutverdünner, bei ausgeprägter Blutarmut, akuten Infekten oder Fieber, schwerer Immunsuppression, bekannten Allergien gegen Blutegel oder ausgeprägten Wundheilungsstörungen.
In der Schwangerschaft ist eine Behandlung nur nach sorgfältiger individueller Abklärung möglich.
Aus diesem Grund steht vor jeder Behandlung eine ausführliche Anamnese, um Sicherheit und Sinnhaftigkeit der Therapie zu gewährleisten.
Ablauf einer Blutegel-Behandlung
Zu Beginn erfolgt ein ausführliches Vorgespräch. Dabei klären wir gemeinsam, ob die Blutegel-Therapie für Ihre Beschwerden geeignet ist. Ich erläutere den Ablauf, die Wirkung von Hirudin, mögliche Reaktionen und beantworte Ihre Fragen.
Anschließend wird die Haut vorbereitet und die Ansatzpunkte werden gezielt ausgewählt. Blutegel werden niemals wahllos angesetzt.
Nach dem Abfallen beginnt die therapeutisch gewünschte Nachblutung. Ein Druckverband wird angelegt, und Sie erhalten klare Hinweise zur Nachsorge, Schonung und Wundpflege.
Was ist nach der Behandlung zu beachten?
Nach der Blutegel-Therapie sollte dem Körper Zeit zur Regulation gegeben werden. Am Behandlungstag wird körperliche Schonung empfohlen. Auf Sport, Sauna und Alkohol sollte verzichtet werden. Der Verband sollte möglichst nicht unnötig geöffnet werden.
Leichter Juckreiz oder ein Spannungsgefühl im Bereich der Bissstellen sind normal. Die Wunden heilen in der Regel komplikationslos ab.
Dauer und Kosten
Die gesamte Behandlung dauert meist zwischen 1,5 und 2,5 Stunden. In vielen Fällen reicht eine einzige Sitzung aus. Bei chronischen Beschwerden können mehrere Behandlungen in zeitlichen Abständen sinnvoll sein.
Die Kosten liegen in der Regel bei etwa 150 Euro. Der genaue Preis richtet sich nach der Anzahl der eingesetzten Blutegel, der Behandlungsdauer und dem Aufwand der Nachsorge.
Die Blutegel-Therapie ist eine Privatleistung und wird in der Regel nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Warum ich Blutegel bewusst einsetze
Blutegel greifen nicht aggressiv in den Körper ein. Über den Wirkstoff Hirudin unterstützen sie natürliche Regulationsprozesse, fördern die Durchblutung und reduzieren Entzündungen auf schonende Weise.
Gerade bei lang bestehenden, chronischen Beschwerden erlebe ich die Blutegel-Therapie immer wieder als entscheidenden Wendepunkt. Sie ist kein Relikt aus der Vergangenheit, sondern eine zeitgemäße, wirksame naturheilkundliche Behandlung – vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll und fachkundig eingesetzt.